Es hat geklappt. Die Tickets waren am Schalter. Mein Name war auf der Liste. So sassen wir – meine Frau und ich – also im Kongresshaus und warteten bis es begann. Der Saal füllte sich und war zuletzt gerammelt voll. Dann ging das Licht aus. Eine Stimme bat uns, den Star des Abends zu begrüssen. Leichtfüssig, mit einem breiten Lächeln im Gesicht, trat Roger Hodgson auf die Bühne, setzte sich, griff in die Tasten, hielt an und sprach – immer noch lächelnd: „Wisst ihr was ein Fehlstart ist? Das hier ist ein Fehlstart. Wir sehen uns in fünf Minuten“. Technische Panne.
Kurze Zeit später gings los. Roger meinte: „Lass uns ein wenig Musik machen“. Und dann ging es wirklich los. Hodgson wurde unterstüzt von einem jungen Kanadier an Saxofon (drei an der Zahl) Keyboards (mind. zwei an der Zahl) Flügel, zweite Stimme und etwas Percussion. Evan McDonald oder MacDonald hiess er. Er gab alles und war Hodgson in Sachen Können und Bühnenpräsenz ebenbürtig. Obwohl er sich anständig zurück hielt und dem gealterten Star den Vortritt liess. Der Sound war glasklar. Beide hatten Spass am Abend und waren mit ganzem Herzen bei der Arbeit. Sie spielten sie alle: Fools Overture, Logical Song, School, Breakfast in America, Child of Vision (mit Wahnsinns-Flügelsolo des Kanadiers), give a little bit, even in the quitest moments, etc. Hodgson wechselte zwischen dem riesigen alten Keyboard (vermutlich noch aus den 70ern), zwei zwölfsaitigen Gitarren und dem grossen Steinway-Flügel hin und her. Die Mischung war gut, die Songs gut gemischt. Grundsätzlich kritisch gegenüber Stars ohne Band, war ich überrascht, dass es an fast nichts fehlte. Nur hier und da ein vulminanter Einsatz des Drummers. Der ja nicht vorhanden war. Freude, Gänsehaut und feuchte Augen wechselten sich während zweieinhalb Stunden ab. Während eines Songs fragte mich meine Frau: „Lachst du?“ Nein – ich war verzückt. Zwischen den Songs gab es immer wieder einige kurzen Ansagen. Die meisten Musiker können ja eines NICHT. Lieder ansagen. Hodgson machte nicht viele Worte, dafür war er auch nicht peinlich: „Ich weiss beim besten Willen nicht mehr, was ich mir beim nächsten Song eigentlich gedacht habe…“, „Viele Lieder schrieb ich in der Zeit, als ich vom Teenager zum jungen Mann heranwuchs. Das dauerte etwa 20 Jahre“. Rufe aus dem Publikum nahm er auf: „Vor ein paar Jahren veröffentlichte ich ein Album …. „ - Zwischenruf - “ … oh, du scheinst eins gefunden zu haben …“
Auf der Bühne standen sieben Bäume im Hintergrund. Sie sorgten neben ein wenig Nebel und bescheidenen Lasereffekten für die visuelle Stimmung. Die allerdings nicht wirklich notwendig war. Denn Roger Hodgson und Evan Macdonald waren da. Und sie waren es 100%. Und sorgten für 100% Stimmung.
Das Publikum bestand hauptsächlich aus gealterten Teens & Twens. Und einigen Söhnen und Töchtern. Nach dem Motto: „Komm, mein Sohn, meine Tochter, ich zeig dir jetzt mal, was ECHTE Musik ist“. Ihr wisst was ich meine: Die Frisur noch ganz im 8oer Stil, aber mit einigen Falten an Hals, Gesicht und Armen. Die grauen Stränen mehr oder weniger geschickt mit aufdringlichem Schwarz oder blassem Wassertoff gefärbt. Wie auch immer, wir hatten Spass. Wir waren gestern Abend alle im Sommer ’83 am Supertramp-Konzert. Dann wieder waren wir bei Roger im Wohnzimmer, der uns etwas von sich mitteilte.
Dann - nach fast drei Stunden – war alles vorbei. Der Saal begann sich rasch zu leeren. Nur ein paar glückliche Gewinner – 15 an der Zahl - versammelten sich am Bühnenrand um auf weitere Anweisungen zu warten. Wir wurden zum Backstage-Bereich gebracht. Dort mussten wir warten. Es folgten kurze (und unnötige) Befehle vom Mangement: „Keine Autogramme, keine Fotos“. Nach etwa 15 Minuten betrat Hodgson dann den Raum. Jeder Einzelne durfte ihm kurz die Hände schütteln, etwas Small-Talk machen, sich mit ihm ablichten lassen und dann den Raum wieder verlassen.
So traten wir also zu Roger, meine Frau und ich. Ich bedankte mich für die grossartige Show, sagte ihm, dass ich mich heute Abend ganz wie bei ihm zu Hause gefühlt hätte und dass ich ihm ein kleines Geschenk mitgebracht habe, dass „i’d like to ’give a little bit of my love to you’ „. Er nahm das evangelistische Büchlein („if you could ask God one question…“ – Christianity explored) überrascht entgegen und bedankte sich. Dann „Smile“, dreimal Klick und tschüss - „God bless you, Mr. Hodgson“.
Beten wir, dass er das Büchlein liest und Antworten findet, auf Fragen, die er sich noch immer zu stellen scheint. Gott gab ihm viele Talente. Es wäre gut für ihn und richtig, wenn er sie ganz zu GOTTES EHRE einsetzen könnte. Ich denke, ich gewann diesen Wettbewerb nicht umsonst. Meine „Mission“ ist beendet, mein Gebet geht weiter.