Busse ist süß. Kennen Sie dieses Sprichwort? Ich nicht. Ich kenne nur das andere: Rache ist süß. Muss wohl so sein, denn wie oft wollen wir uns rächen und tun es auch. Wir rächen uns mit eisigem Schweigen, weil unser Ehepartner nicht tat, was er hätte tun sollen. Wir rächen uns an unserem Arbeitgeber, indem wir ihm nicht das geben, was er von uns fordert. Wir rächen uns an unseren Eltern, indem wir das tun, von dem wir wissen, dass es sie schmerzt. Wir rächen uns an unseren Kindern, indem wir überzogene Strafen verordnen, sie mit Verachtung strafen oder sie ihrem Schicksal überlassen mit den Gedanken: „Du wirst schon sehen …“. Wir rächen uns an Gott, indem wir ihm unsere Aufmerksamkeit verweigern. Wir rächen uns an der Gemeinde, indem wir die Gottesdienste nicht mehr besuchen. Es gibt viele Formen der Rache. Die meisten sind leise. Unter Christen zumindest.
Nun möchte ich diesem alten ein neues Sprichwort entgegen halten: „Busse ist süß“. Ein Theologe aus dem siebzehnten Jahrhundert sagte einmal: „Busse und Glaube sind die beiden Flügel, mit denen wir zum Himmel fliegen“. Ein wunderbares Bild. Beide Flügel sind notwendig. Beide Flügel müssen gleichzeitig schlagen. Sie sind voneinander abhängig. Ohne Glauben gibt es keine Busse und ohne Busse gibt es keinen Glauben.
James I. Packer, ein bekannter englischer Theologe, beschreibt Busse mit den folgenden Worten: „Busse ist die bedauernde Reue über die Unehre, die man dem Gott bereitet hat, den man … [liebt] und dem man dienen möchte“. Busse tun ist darum Beziehungsarbeit. Sie hat in erster Linie mit der Beziehung zu Gott zu tun. Weil wir unser ganzes Leben „Coram Deo“ – vor dem Angesicht Gottes – leben, steht alles, was wir denken, fühlen, wollen, tun und reden in direkter Beziehung zu Gott. Darum betet der König David zu Gott: „Gegen dich allein habe ich gesündigt“, selbst wenn er durch seine Sünde Menschen geschadet hat.
Busse ist aber nicht Selbstzweck, (tue Busse, dann geht es dir wieder besser), sondern hat ihren Zweck darin, dass Sie das ausräumt, was sich zwischen uns und unseren Gott und andere Menschen gestellt hat. Busse hat die Wiederherstellung einer „süßen“ Beziehung zum Ziel. Denn das sollte unsere Beziehung zu Gott sein; süß. Busse nennt das beim Namen, was zu einem Ersatzgott geworden ist, uns von Gott weg in eine Sackgasse geführt hat. Darum kann man Busse auch als Umkehr bezeichnen. Die Frucht der Busse wird uns ebenfalls genannt: Freude an Jesus Christus, Freude im Himmel, Freude der Geschwister.
Busse sollte deshalb nicht eine selten kostbare Blume wie das Edelweiß sein, sondern sie sollte das Gänseblümchen auf der Wiese des Glaubens sein; überall zu finden. Busse sollte nicht wie die alte chinesische Vase im historischen Museum behandelt werden, sondern wie das Trinkglas zum täglichen Gebrauch. Sie wird dadurch nicht wertlos. Jenseits von Eden ist auch die fromme Seele fähig, täglich mehrere Male von Gott ab zu irren. Wenn auch nur in kleinen Dingen. Doch kleine Füchse verderben den Weinberg. Darum sollten wir schnell bereit sein, Busse zu tun. Es sollte für uns so natürlich sein wie das atmen und das glauben; den zweiten Flügel.
Manche Christen meinen, Busse sei bitter und darum möglichst zu vermeiden oder nur in ganz schlimmen Fällen anzuwenden. Sie verdrängen darum auch ihre kleinen Sünden gerne (ihre falschen Begehren) statt sie zu bekennen. Andere tun nie Busse um den Eindruck zu vermitteln, sie sündigen selten bis nie! Entfremdung von Gott und dem Nächsten ist in beiden Fällen vorprogrammiert.
Als Martin Luther in der ersten seiner 95 Thesen schrieb, dass das ganze Leben des Christen eine Busse sein sollte, meinte er genau dies: „Busse ist süß!“ Wir sollten schnell dazu bereit sein, Sünde zu bekennen, denn je schneller wir das tun, desto schneller ist unsere Beziehung zu Gott und unserem Nächsten wieder hergestellt und stellt sich die Frucht der Busse ein: Freude an Jesus Christus, Freude im Himmel, Freude der Geschwister an uns.
Sind wir enttäuscht von unseren Ehepartnern, unseren Arbeitgebern, unserer Gemeinde, unseren Kindern, Eltern oder Freunden? Haben sie uns Unrecht getan? Denken wir daran: „Busse ist süß“. Das heißt praktisch: „Herr, du siehst, wie gerade jetzt Rachegedanken aus meinem selbstgerechten Herzen hervorbrechen. Du siehst, wie mein Fleisch rebelliert. Herr, vergib mir, wo ich von dir abgeirrt bin und vergessen habe, dass du für mich eintrittst, mein Anwalt bist. Zeige mir, wie ich anstatt mit Hass und Rache mit Wahrheit und Liebe reagieren kann. Vergib mir meine Selbstbezogenheit und gib mir die Kraft, diesen Konflikt auf deine Weise zu lösen, damit du in mir verherrlicht wirst“. Das ist das Wesen der Busse, der süssen Busse.
Verfasst von: andyvetterli | Dezember 31, 2010
Andy–I see we’re in “Helping Relationships” together. It’s nice to see you have a blog!
Von: Scott Somerville am Januar 6, 2011
um 12:38 pm